Offener Brief: Forderung nach einem „Brückengipfel Düsseldorf“ – Infrastruktur im Deutschlandtempo erneuern
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Keller,
sehr geehrter Herr Minister Krischer,
sehr geehrter Herr Bundesminister Schnieder,
die Zahl der Brücken in und um Düsseldorf, die von LKW uneingeschränkt befahren werden können, nimmt kontinuierlich ab. Die Gewichtsbeschränkungen, Fahrstreifenreduzierungen und Sperrungen treffen inzwischen nicht nur den Schwerlastverkehr, sondern weite Teile von Wirtschaft, Logistik, Handwerk, Pflege- und Rettungsdiensten sowie den ÖPNV und den kommunalen Verkehr.
Als starker Wirtschaftsstandort und Logistikdrehscheibe am Rhein, ist die Landeshauptstadt Düsseldorf besonders auf eine funktionierende Brückeninfrastruktur angewiesen. Unternehmen, Speditionen und Handwerksbetriebe benötigen verlässliche und leistungsfähige Verbindungen, damit der Standort nicht an Attraktivität, Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Schon heute sind die Folgen spürbar:
- Wirtschaftliche Schäden - Umwege, Wartezeiten und stockender Verkehr erhöhen Kosten, gefährden Lieferketten und verringern die Produktivität. Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Ablastung der Josef-Kardinal-Frings-Brücke und Theodor-Heuss-Brücke beträgt laut IHK 45 Mio. €/a und 55 Mio. €/a. Die Auswirkungen der abgängigen Ruhrtalbrücke ist bis dato unbeziffert.
- Außerordentliche Belastung für Bürgerinnen und Bürger - Ausweichrouten führen zu Mehrverkehr in Wohngebieten, längeren Pendelzeiten und zusätzlicher Lärm- und Abgasbelastung, sowie Überbelastung von ebenfalls abgängigen Brücken.
- Klimabelastung - Staus und Umwege konterkarieren Klimaschutzziele durch unnötige CO₂‑Emissionen.
- Standortrisiko - Investitionsentscheidungen von Unternehmen hängen direkt von einer resilienten, zukunftsfähigen Infrastruktur ab.
Die aktuelle, kleinteilige Notfall- und Übergangspolitik – neue Gewichtsbeschränkungsschilder hier, eine provisorische Reparatur dort – ist nicht mehr ausreichend. Düsseldorf braucht einen strategischen, abgestimmten Ansatz für seine Brückeninfrastruktur, der kommunale, Landes- und Bundeszuständigkeiten zusammenführt und den vorhandenen Instrumentenkasten, insbesondere das Sondervermögen für Infrastruktur, konsequent nutzt.
Daher fordern wir Sie auf, kurzfristig einen „Brückengipfel Düsseldorf“ einzuberufen, an dem mindestens folgende Akteure beteiligt werden:
- Stadt Düsseldorf (Verwaltung und Politik),
- Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW,
- Bundesministerium für Verkehr,
- Deutsche Bahn und Straßen.NRW/Die Autobahn GmbH (soweit zuständig),
- Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Logistik- und Hafenwirtschaft,
- Vertreterinnen und Vertreter von ÖPNV, Rettungsdiensten sowie Bürger- und Umweltverbänden.
Ziel dieses Brückengipfels sollte ein verbindlich abgestimmter Masterplan Brücken Düsseldorf sein mit:
Transparenter Zustandsanalyse
- Öffentliche Darstellung einer Prioritätenliste aller relevanten Brücken (kommunal, Landes- und Bundeszuständigkeit) inkl. Tragfähigkeit, Restlebensdauer, Risikobewertung.
- Darstellung der Auswirkungen von Sperrungen oder Beschränkungen auf Wirtschaft, Verkehr und Anwohner.
„Deutschlandtempo“ bei Planung und Umsetzung
- Ein Stufenplan mit klaren Zielterminen, welche Brücken in welcher Reihenfolge saniert oder ersetzt werden.
- Bündelung von Maßnahmen (z.B. mehrere Projekte in einem Korridor) zur Reduzierung von Baustellenzeiten und zur Beschleunigung von Planungen.
- Anwendung der beschleunigten Planungs- und Genehmigungsverfahren, wie sie bei der Energie- und Verkehrsinfrastruktur bereits möglich sind.
- Konsequente Nutzung digitaler Planungsmethoden (z.B. BIM) und standardisierter Brücken- und Bauweisen zur Zeit- und Kostensenkung.
- Frühzeitige Einbindung aller Genehmigungsbehörden, um Schleifen und Verzögerungen zu minimieren.
Gezielte Finanzierungsstrategie unter Einbindung des Sondervermögens
- Identifikation der Brückenprojekte, die aus dem Sondervermögen für Infrastruktur mitfinanziert werden können.
- Koordinierte Kofinanzierung zwischen Stadt, Land und Bund, um Finanzierungslücken zu schließen und Planungssicherheit zu schaffen.
- Prüfung innovativer Modelle (z.B. mehrjährige Rahmenverträge), um Kapazitäten im Bau- und Planungssektor besser nutzbar zu machen.
Verkehrliche Ersatz- und Entlastungskonzepte
- Entwicklung temporärer Verkehrsführungen, die Wohnquartiere schützen, den ÖPNV stärken und unnötige Umwege und Emissionen vermeiden.
- Abstimmung mit der Hafen- und Logistikwirtschaft, um die Erreichbarkeit zentraler Standorte zu sichern.
Wenn die Brückeninfrastruktur in Düsseldorf nicht zügig und vorausschauend modernisiert wird, drohen langfristige Schäden für den Wirtschaftsstandort und für die Lebensqualität der Menschen. Umgekehrt bietet eine entschlossene, koordiniert finanzierte Brückenerneuerung im „Deutschlandtempo“ die Chance, Düsseldorf als leistungsfähigen, klimafreundlichen und zukunftssicheren Standort zu stärken.
Wir bitten Sie daher nachdrücklich:
- zeitnah zu einem Brückengipfel einzuladen,
- die Ergebnisse in einem verbindlichen Masterplan festzuschreiben und
- dessen Umsetzung regelmäßig öffentlich zu berichten und zu evaluieren.
Wir freuen uns über ein zügiges und entschiedenes Handeln und verbleiben
mit freundlichen Grüßen
Mirko Rohloff
Fraktionsvorsitzender
Felix Mölders
Verkehrspolitischer Sprecher