Bauen und Wohnen
Neue Wege im Wohnungsbau – Kehrtwende für eine nachhaltige Wohnungspolitik in Düsseldorf
Die Lage am Düsseldorfer Wohnungsmarkt ist seit Jahren äußerst angespannt. Der Mangel an Wohnraum ist dabei nicht nur für die Personen, die Wohnungen suchen, äußerst dramatisch. Zunehmend wird der Wohnungsmangel in Düsseldorf auch zu einem wirtschaftlichen Problem, weil dringend benötigte Fachkräfte aufgrund der Wohnungsnot nicht mehr nach Düsseldorf kommen. Deshalb muss der wohnungspolitische Arbeitsmodus in Düsseldorf endlich umgestellt werden: Weg von der Verwaltung der Mangellage hin zu einem strategischen und vor allem entschlossenem Handeln. Dabei gilt es, den Blick darauf zu werfen, welche Maßnahmen am Ende nicht nur einen Einmaleffekt darstellen, sondern dazu geeignet sind, eine nachhaltige Verbesserung auf dem Wohnungsmarkt zu erzielen.
Wohnungen für die Mitte der Gesellschaft
In Düsseldorf leben sehr viele gut ausgebildete Menschen. Das Einkommen der meisten Haushalte überschreitet die Bemessungsgrenzen für Wohnberechtigungsscheine. Das betrifft sowohl Singles als auch Familien mit zwei Einkommen. Düsseldorf droht jene Menschen zu verlieren, die zu viel verdienen, um Fördermittel beanspruchen zu können, aber zu wenig verdienen, um mit den Preisen am Wohnungsmarkt Schritt zu halten. Das ist nicht nur eine wohnungspolitische Ungerechtigkeit, sondern birgt die Gefahr, den Charakter unserer Stadt langfristig zum Nachteil zu verändern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Polizei, Feuerwehr, in Krankenhäusern etc. müssen eine Möglichkeit haben, nah bei ihrer Arbeitsstelle in Düsseldorf zu wohnen. Eine nachhaltige und erfolgreiche Wohnungspolitik muss deshalb zwingend auch das „mittlere Preissegment“ im Blick haben.
Start-up-Initiative für Wohnungsbaugenossenschaften
Die Freien Demokraten fordern, analog zur Wirtschaftsförderung, eine zentrale Anlaufstelle für die Gründung von Wohnungsbaugenossenschaften zu etablieren. Ziel ist es, alle Interessierten und Beteiligten einer genossenschaftlichen Gründung bestmöglich zu informieren, zu beraten und zu unterstützen. Dazu zählen insbesondere potenzielle Gründerinnen und Gründer einer Genossenschaft, Projektentwicklerinnen und -entwickler, Banken, interessierte Firmen sowie Bürgerinnen und Bürger, die einer Genossenschaft beitreten möchten. Wichtig ist für uns, dass auch bereits bestehende Wohnungsbaugenossenschaften die neuen Unterstützungsangebote nutzen können sollen.
Wohnraummangel bekämpfen: mehr Wohnungsbau statt mehr Regulierung
Düsseldorf steht vor einer zentralen Herausforderung: Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das Angebot bei Weitem. Unser wohnungspolitischer Ansatz ist deshalb klar: Nur ein deutliches Mehr an Wohnungsbau kann die angespannte Lage am Wohnungsmarkt nachhaltig entspannen. Wir setzen auf ein konsequent angebotsorientiertes Modell – ohne starre Quoten, aber mit dem Ziel, für alle Bevölkerungsgruppen mehr Wohnraum zu schaffen.
Die verpflichtenden Quoten des Düsseldorfer Baulandmodells von 50 Prozent gefördertem Wohnraum bei privaten Bauprojekten mit mehreren Wohneinheiten – auf städtischen Grundstücken sogar 100 Prozent preisgedämpft – entsprechen nicht mehr den Realitäten des Marktes. In Zeiten stark gestiegener Baukosten, hoher Zinsen und konjunktureller Unsicherheit führt diese rigide Vorgabe zu einer deutlichen Zurückhaltung bei Investoren. Die Folge: Projekte werden verzögert oder gar nicht mehr realisiert.
Insbesondere für die Mittelschicht, für junge Familien mit dem Wunsch nach Eigentum, verschärft sich die Situation dadurch weiter. Statt neue Chancen zu schaffen, wird Wohnraum künstlich verknappt.
Wir fordern daher eine Abkehr von starren Quoten. Die Ausgestaltung des geförderten Wohnungsbaus soll künftig projektbezogen und flexibel ausgehandelt werden. Denn ohnehin bringt jedes Bauvorhaben individuelle Anforderungen mit sich – sei es durch Lage, Größe oder Nutzungskonzept. Eine differenzierte Betrachtung erhöht nicht den Aufwand, sondern die Realisierungschancen.
Unser Ziel: Ein neues Düsseldorfer Baulandmodell, das Investitionen erleichtert statt verhindert, Vielfalt statt Gleichmacherei ermöglicht und die Stadt für alle bezahlbar macht – durch mehr, nicht weniger Wohnungsbau.
Bebauungspläne anpassen – Aufstockungspotenziale systematisch nutzen
Das Potenzialflächenkataster ist ein wichtiger erster Schritt, um neue Wohnbauflächen zu identifizieren. Doch auch im Bestand schlummert ungenutztes Potenzial: Zahlreiche Bebauungspläne (B-Pläne) beschränken die bauliche Nutzung unnötig stark.
Wir fordern daher die systematische Überprüfung aller bestehenden B-Pläne mit dem Ziel, Aufstockungen um ein weiteres Geschoss zu ermöglichen, wo es städtebaulich vertretbar ist. Eine moderate Aufstockung ist in der Regel architektonisch gut integrierbar, verursacht kaum zusätzliche Flächenversiegelung und kann kosteneffizient neuen Wohnraum schaffen – insbesondere in dicht besiedelten Quartieren mit vorhandener Infrastruktur.
Azubi- und Werkswohnungen
In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer (HWK) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) möchten wir gezielt den Bau von Werkswohnungen und Wohnungen für Auszubildende fördern. Auch die Stadt sowie die städtischen Töchter müssen als Arbeitgeberinnen aktiv werden, um sicherzustellen, dass beispielsweise Busfahrerinnen und Busfahrer in der Stadt wohnen können. Werkswohnungen haben sich in der Vergangenheit, auch in schwierigen Zeiten, als gutes Instrument bewährt, um Fachkräfte zu finden. Hierzu wollen wir insbesondere den „Runden Tisch Azubi- und Werkswohnen“ stärken und um das Thema Werkswohnungen erweitern. Sowohl große als auch mittelständische Unternehmen scheuen die großen Aufwände, die mit Planung und Umsetzung neuer Bauvorhaben verbunden sind. Auch die Verwaltung der Werkswohnungen wird als zu hohe Belastung für die Unternehmen empfunden. Die Stadt muss deshalb (Beteiligungs-)Modelle entwickeln, die es den Unternehmen erlauben, sich bei neuen Bauvorhaben finanziell zu beteiligen und dadurch Anteile am Bauvorhaben zu erwerben, so dass die entsprechenden Wohnungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden können. Der „Runde Tisch Azubi- und Werkswohnungen“ soll Interessenten zusammenbringen, Ressourcen bündeln und am Ende konkrete Wohnungsbauprojekte hervorbringen.
Förderung von Wohngruppen
Wohngruppen bieten flexible und gemeinschaftsorientierte Wohnlösungen. Wir
unterstützen Interessenten für Wohngruppen, indem wir bürokratische Hürden senken. Hierzu wollen wir die Agentur für Baugruppen und Wohngemeinschaften stärken, um die Bekanntheit des Wohnmodells zu erhöhen und um mehr Menschen in Düsseldorf das Wohnen in einer Wohngruppe zu ermöglichen.
Einfaches Bauen ermöglichen – Genehmigungen beschleunigen
Der Wohnraummangel verlangt nach klaren, unbürokratischen Lösungen. Wir setzen uns deshalb für die Ausweisung von Baugebieten mit dem Prinzip des „einfachen Bauens“ ein. Ziel ist es, Wohnraum schneller und kostengünstiger realisieren zu können – ohne durch zusätzliche Auflagen über die Landesbauordnung hinaus Bauwillige zu überfordern.
Wir fordern den Verzicht auf kommunale Sonderanforderungen, eine konsequente Digitalisierung der Bauantragsverfahren sowie verbindliche Fristen. Genehmigungen sollen spätestens innerhalb von zwei Monaten erteilt werden. Erhaltungs-, Milieuschutz- und Zweckentfremdungssatzungen wollen wir aufheben, die Baumschutzsatzung deutlich vereinfachen.
Zudem wollen wir serielles Bauen – also das modulare und standardisierte Errichten von Wohnraum – gezielt zulassen und fördern. Es ist eine erprobte Methode, um schnell, effizient und in hoher Qualität zu bauen. Die Stadt soll hier Bauleitplanung und Genehmigungsverfahren an die Erfordernisse des seriellen Bauens anpassen.
Umnutzung von Bürogebäuden
Wir begrüßen Umnutzungen von Bürogebäuden in Wohngebäude, um dem Bedarf an Wohnungen gerecht zu werden. Der Umbau von leerstehenden Bürogebäuden zu Wohnraum geht schneller und durch den Erhalt des Rohbaus samt Tiefgaragen und Kellergeschossen werden Ressourcen eingespart. Die bisherige Kubatur, Höhe und Größe der Bestandgebäude können beibehalten werden.